#BeBoldForChange – Bea Petri schafft Perspektiven in Burkina Faso

In der Schweiz ist Bea Petri vor allem als Maskenbildnerin, Unternehmerin und Gründerin der Schminkbar bekannt. Seit sie die Schminkbar ein Ort zum Wohlfühlen und sich verwöhnen Lassen 2016 an ihre Töchter übergeben hat, kann sie sich nun noch stärker auf ihr Ausbildungsprojekt Nas Mode in Burkina Faso (Westafrika) konzentrieren.

In unserem Interview erzählt uns Bea über die Schule in Burkina Faso, die Situation der Frauen in Westafrika und über ihre ganz persönlichen mutigen Schritte.

Elizabeth: Bea, du bist mit der Schminkbar und als Unternehmerin in der ganzen Schweiz bekannt. Aber jetzt findest du dich oft weit weg von hier – in Burkina Faso. Burkina Faso ist für viele Menschen in Europa ein eher unbekanntes Land. Was war dein erster Eindruck von dem Land? 

Bea: Burkina Faso ist ein Binnenland und liegt in Westafrika. Es zählt fast 20 Millionen Einwohner. Die Hauptstadt heisst Ouagadougou, welche ebenfalls bereits fast 2 Millionen Einwohner zählt. Als ich 2008 das erste Mal in Ouagadougou war, wurde ich mit enorm vielen Bildern und unterschiedlichen Eindrücken konfrontiert. Mit Armut, lachenden Gesichtern, schüchternen Menschen, mit Staub und Dreck und Unfällen, mit wunderschönen Farben und mit der afrikanischen Sonne. Dazu auch mit der Hitze, mit der Malaria, mit einem Essen, welches unsere Mägen nicht vertragen und sogar mit Krokodilen. In Burkina Faso, das früher Obervolta hiess, leben die Menschen sehr friedlich miteinander, auch wenn 60 % Muslime, 30 % Christen und der Rest Animisten sind. Jeder lässt dem anderen seinen Glauben und seine Traditionen und das beeindruckt mich immer wieder von neuem.  

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Wie ist die Situation der Frauen in Burkina Faso? Welche Schwierigkeiten haben sie – im Vergleich zu Frauen in anderen Ländern, aber auch im Vergleich zu den Männern in Burkina Faso? 

In Burkina Faso sind es vor allem die Frauen, die arbeiten. Sie sind fleissig und wissen, dass sie die Familien versorgen müssen. Sie beginnen aber auch, sich immer mehr gegen die Männerwelt durchzusetzen und viele von ihnen denken modern und aufgeklärt. Die jungen Frauen wollen nicht mehr so wie ihre Mütter zehn Kinder gebären. Sie sind bestrebt, eine Ausbildung zu machen, um auch im Arbeitsalltag und ausserhalb des Haushalts zu reüssieren.

Du engagierst du dich in Burkina Faso mit der Initiative Nas Mode. Der Förderverein ermöglicht jungen Menschen eine umfassende Ausbildung und damit bessere Lebensperspektiven. Wie bist du zu diesem Projekt gekommen? Was ist deine Rolle?

2008 wurde ich von der schweizerischen Entwicklungsorganisation Swisscontact angefragt, ob ich nach Burkina Faso gehen würde, um junge Frauen auszubilden. Ich sagte spontan zu, doch sah schnell, dass es mit einem einmaligen Kurs mit der Hilfe zur Selbsthilfe nicht getan war. Ich wollte mich richtig und gekonnt engagieren. So gründete ich nach meiner Heimkehr den Förderverein Nas Mode. Meine Aufgabe besteht darin, meine Freundin und Direktorin Safi Ouattara (im Titelbild rechts neben Bea Petri) finanziell und ideell zu unterstützen – mit Ideen, Anregungen und moralischem Support. Zudem besuche ich zusammen mit Safi jährlich die Familien, welche dank des Fördervereins eines ihrer Kinder unentgeltlich in eine Ausbildung schicken dürfen. Meine schwierigste Aufgabe ist jedoch das Geld-Sammeln, denn ohne Spendengelder aus der Schweiz funktioniert ein solches Engagement und Weiterkommen nicht. 

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Einblicke in den Schul-Alltag von Nas Mode...

Wer hat die Schule Nas Mode gegründet und wie kommt sie zu ihrem Namen?

Die Schule Nas Mode besteht seit 2001 in Ouagadougou. Damals eröffnete Safi eine kleine SchneiderInnen-Schule. Dank ihres Onkels Nas, der damals in Paris lebte und ihr ein Startkapital schenkte, konnte sie diesen ersten wichtigen Schritt machen. Safi war immer sehr engagiert und wusste bereits sehr früh, dass Ausbildung das Wichtigste war, was die jungen Frauen in Burkina Faso brauchten. Und um ihrem Onkel Nas zu danken, nannte sie ihre Schule ‚Nas Mode‘. Ich übernahm den Namen in Gedanken und in Respekt gegenüber diesem grossartigen Menschen, der bereits in den 90-er Jahren als engagierter und bekannter Sozialarbeiter Spuren in den Pariser Banlieus hinterliess. Leider starb er gleich nach der Eröffnung der ersten kleinen Schule im Jahr 2001.

Was ist die Mission von Nas Mode? Wie beeinflusst die Schule die Zukunftsperspektiven der AbsolventInnen?

Ausbildung und Aufklärung sind die wichtigsten Mittel, mit welchen Westafrika geholfen werden muss. Dank Ausbildung erhalten die jungen Menschen aus Burkina Faso eine Zukunftsperspektive und wir helfen ihnen dabei. Unsere Schule bietet Lehrgänge für SchneiderInnen, KosmetikerInnen und MaskenbildnerInnen an. 80 Prozent der jungen Menschen, welche eine Berufsausbildung bei uns absolvieren, arbeiten später selbständig in ihrem Fachgebiet und verdienen Geld. Und auch wenn es nur wenig ist, können sie durch diese Einnahmen ihre Familien unterstützen und diesen zu genug Essen verhelfen.

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Das Motto des diesjährigen Frauentags lautete „Be Bold For Change“, auf Deutsch „Sei mutig für Veränderung“. Du hast in deinem Leben – sowohl beruflich als auch privat – viele mutige Schritte gewagt. Was waren für dich persönlich deine mutigsten Schritte? Was hast du damit erreicht?

Mein mutigster Schritt war die Zusage an Safi, ihr mit all meiner Kraft zu helfen und sie langfristig zu unterstützen. Nas Mode und Westafrika haben mein Leben verändert. Wenn ich sehe, wie diese Menschen leben und von welchen Sorgen und Mängeln dieses Land immer wieder geschüttelt wird, dann weiss ich, wie unglaublich gut es uns geht. Und zwar auf allen Gebieten – von der medizinischen Versorgung über die sichere Ernährung bis zum Klima. Und nicht zuletzt sind die wenigen Möglichkeiten zur Veränderung wahrscheinlich eine der schlimmsten Formen der Armut. 

Brauchen Frauen Mut, um voranzukommen?

Selbstverständlich braucht es immer wieder Mut, das Leben zu verändern oder so einzurichten, dass man glücklich ist. Resignation ist oftmals der einfachere Weg. Bei mir war das jedoch keine Option. Zu resignieren finde ich feige und zwar für alle Beteiligten. 

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Frauen sind nach wie vor nicht gleichberechtigt und in manchen Ländern sind sie davon noch weiter entfernt als in anderen. Was wünscht du dir für die Frauen in Burkina Faso und für die in der Schweiz? Hast du eine Botschaft an Frauen?

Meine Botschaft an die Frauen habe ich in meinem Buch „Ungeschminkt“ deutlich zum Ausdruck gebracht. Gebt euch nicht auf zu Gunsten von Ehemann und Kindern. Jede Person, also auch jede Frau, hat das Recht, ihre Bedürfnisse zu leben.

In Afrika sind die Frauen stark, das freut mich sehr. Dort müssen jedoch der Aberglauben, und dazu gehören auch die Beschneidungen und die Hexenvertreibungen, endlich aufhören. Dies kann jedoch nur durch eine aufgeklärte Jugend erfolgen und Aufklärung ist deshalb auch an unserer Schule Nas Mode sehr wichtig. Immerhin erreichen wir in der neuen Schule jedes Jahr 200 junge Frauen – das ist vielleicht ein kleiner Tropfen auf den heissen Stein, aber es ist ein ganz wichtiger. 

In unserer “Be Bold For Change”-Interview-Serie fragen wir jede unserer Interview-Partnerinnen nach einem Vorschlag, mit wem wir als nächstes sprechen sollen: Frauen, die inspirieren, die Veränderung bringen und die den Stimmen von Frauen Gehör verschaffen. Was meinst du – mit wem sollen wir als nächstes sprechen?

Eine junge und – im besten Sinne – neugierige Journalistin ist mit mir kürzlich nach Burkina Faso gereist. Sie heisst Yvonne Eisenring. Obwohl sie erst 30 Jahre jung ist, finde ich sie bewundernswert und es lohnt sich sicher, sie zu „hören“.

Liebe Bea, vielen Dank für diese wunderbaren Einblicke in deine Welt!

Wer neugierig geworden ist, kann hier mehr erfahren: www.nasmode.com & beapetri.ch